Wodurch du überwindest.

Wodurch du überwindest.
Die
Zeit, in der Christus den Menschen persönlich diente, war auch eine
Zeit eifrigster Tätigkeit der Mächte der Finsternis. Stets hatte Satan
mit seinen bösen Engeln danach getrachtet, die Herrschaft über Leib und
Seele der Menschen zu gewinnen und Sünde und Krankheit über sie zu
bringen, um dann Gott für alles Leid verantwortlich zu machen. Jesus
offenbarte den Menschen das Wesen Gottes; er brach die Macht Satans und
befreite seine Gefangenen. Neues Leben, Liebe und himmlische Kraft
bewegten die Herzen der Menschen, und der Fürst des Bösen wurde
veranlaßt, für die Herrschaft seines Reiches zu kämpfen. Satan sammelte
alle seine Kräfte, um Christi Werk ständig anzugreifen.

So
wird es auch im letzten großen Kampf zwischen Gerechtigkeit und Sünde
sein. Während die Jünger Jesu mit neuem Leben, mit Macht und Kraft aus
der Höhe angetan werden, wird auch aus der Tiefe neues Leben erwachen
und die Werkzeuge Satans stärken. Großer Eifer wird alle irdischen
Kreaturen erfassen. Mit einer in jahrhundertelangem Kampf erworbenen
List wird der Fürst dieser Welt in Gestalt eines Engels des Lichts
wirken, und große Scharen werden „betrügerischen Geistern und
dämonischen Lehren“ (1.Timotheus 4,1, Bruns) anhangen.
 
Zur
Zeit Christi waren die Obersten und die Lehrer Israels nicht imstande,
dem Werk Satans zu widerstehen. Sie versäumten es, von dem einzigen
Mittel Gebrauch zu machen, durch das sie bösen Geistern hätten
widerstehen können. Jesus überwand den Bösen durch das Wort Gottes. Die
führenden Männer Israels gaben vor, die Ausleger des Wortes Gottes zu
sein, aber sie hatten es nur erforscht, um ihre Überlieferungen zu
stützen und ihre von Menschen ersonnenen Satzungen durchzusetzen. Durch
ihre Deutung unterlegten sie dem Wort Gottes einen Sinn, den Gott
niemals gemeint hatte. Ihre geheimnisvollen Erklärungen ließen das
verworren erscheinen, was er verständlich gemacht hatte. Sie stritten
sich über unbedeutende Einzelheiten und leugneten die wesentlichsten
Wahrheiten. So wurde der Unglaube weit verbreitet. Gottes Wort wurde
seiner Kraft beraubt, und böse Geister schalteten und walteten, wie sie
wollten.
 
Die
Geschichte wiederholt sich. Viele maßgebende religiöse Männer unserer
Zeit, die die geöffnete Bibel vor sich haben und angeblich ihre Lehren
verehren, untergraben den Glauben an die Heilige Schrift als das Wort
Gottes
. Sie sind damit beschäftigt, das Wort zu zergliedern, und setzen
ihre eigenen Ansichten über dessen klarste Aussagen. In ihrer Hand
verliert Gottes Wort seine erneuernde Kraft. Darum wuchert der Unglaube
und nimmt die Ungerechtigkeit überhand.
 
Wenn
Satan den Glauben an die Heilige Schrift untergraben hat, leitet er die
Menschen zu anderen Licht- und Kraftquellen. Dadurch dringt er bei
vielen unbemerkt ein. Wer sich von der klaren Lehre der Heiligen Schrift
und der überzeugenden Macht des Heiligen Geistes abwendet, öffnet
dämonischen Einflüssen die Tür. Kritik und Spekulation an der Schrift
haben dem Spiritismus und der Theosophie — diesen modernen Formen des
alten Heidentums — den Weg bereitet, selbst in den erklärten Kirchen
unsers Herrn Jesus Christus Boden zu gewinnen.
 
Neben
der Evangeliumsverkündigung sind Kräfte am Wirken, die Werkzeuge der
lügenhaften Geister sind. Manch einer läßt sich nur aus Neugierde mit
ihnen ein; doch nimmt er dann das Wirken übernatürlicher Kräfte wahr, so
läßt er sich mehr und mehr verlocken, bis er von einem Willen
beherrscht wird, der stärker ist als sein eigener. Er kann sich der
geheimnisvollen Macht nicht mehr entziehen. Die Widerstandskraft seiner
Seele ist gebrochen, und er hat keine Schutzwehr gegen die Sünde.
Niemand kennt die Tiefen der Erniedrigung, in die er sinken kann, wenn
einmal die Schranken des Wortes Gottes und des Heiligen Geistes
mißachtet sind. Geheime Sünden oder ihn beherrschende Leidenschaften
können ihn zu einem ebenso hilflosen Gefangenen Satans machen, wie es
der Besessene zu Kapernaum war. Dennoch ist seine Lage nicht
hoffnungslos.
 
Das
Mittel, durch das wir den Bösen überwinden können, ist dasselbe, durch
das Christus überwand — die Macht des Wortes! Gott beherrscht unser
Gemüt nicht ohne unsere Einwilligung; wenn wir aber wünschen, seinen
Willen zu kennen und zu tun, gelten uns seine Verheißungen: Ihr „werdet
die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“. Johannes 8,32. „Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.“ Johannes 7,17.
Durch den Glauben an diese Verheißungen kann sich jeder aus den
Schlingen des Irrtums und von der Herrschaft der Sünde befreien.
 

Jeder
Mensch kann frei wählen, welche Macht ihn beherrschen soll.
Keiner ist
so tief gefallen, keiner ist so schlecht, daß er in Christus nicht
Erlösung finden könnte. Der Besessene konnte statt eines Gebets nur die
Worte Satans aussprechen; dennoch wurde das unausgesprochene Flehen des
Herzens erhört. Kein Schrei einer notleidenden Seele wird unbeachtet
bleiben, wenn auch die Worte fehlen. Wer ein Bündnis mit Gott eingehen
will, bleibt nicht der Macht Satans oder der Schwäche der eigenen Natur
überlassen, sondern es wird die Zusicherung Gottes gelten: „Sie suchen
Zuflucht bei mir und machen Frieden mit mir, ja, Frieden mit mir.“ Jesaja 27,5.
Die Geister der Finsternis werden um die Seelen streiten, die einmal
unter ihre Herrschaft geraten sind. Aber die Engel im Himmel werden mit
siegreicher Kraft für sie einstehen. Der Herr sagt: „Kann man auch einem
Starken den Raub wegnehmen? Oder kann man einem Gewaltigen seine
Gefangenen entreißen? So aber spricht der Herr: Nun sollen die
Gefangenen dem Starken weggenommen werden, und der Raub soll dem
Gewaltigen entrissen werden. Ich selbst will deinen Gegnern
entgegentreten und deinen Söhnen helfen.“ Jesaja 49,24.25.

Aus dem Leben Jesu, S. 241 – 244

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