Evangelikale: Missionare aus den USA in der Ukraine

Evangelikale: Missionare aus den USA in der Ukraine

Der Evangelikalismus ist nicht nur eine theologische Richtung, er ist
auch eine der erfolgreichsten christlichen Strömungen weltweit – und
dabei nicht selten umstritten. Warum vor allem US-Evangelikale eine
große Rolle spielen und was das mit der Ukraine zu tun hat, besprechen
Marcel Joppa und Bolle Selke für die STIMME RUSSLANDS mit Jan an Haack.
Er promoviert in Amerikanistik an der Universität Potsdam und hat die
US-Evangelikalen zum Thema seiner Doktorarbeit gemacht.

Jan an
Haack: „Die einfachste Definition wäre, dass es sich um eine
protestantische Bewegung handelt, die mehr oder weniger tausende
verschiedener Strömungen unter einem Dach firmiert. Also, da haben wir
zum Beispiel die Nationale Assoziation der Evangelikalen in den USA, der
Dachverband. Unter diesem Dachverband sind 45 000 Kirchen organisiert.“

Jan
an Haack: „Eine der wichtigsten Säulen des Evangelikalen
Glaubensbekenntnis‘ ist der Bezug zu Jesus Christus und die Rettung
durch Jesus Christus. Eine ganz hohe Bedeutung und Stellenwert nimmt die
Bibel ein und auch die in Teilen wirklich wörtliche Auslegung der
Bibel.“

Jan an Haack: „Zwei andere wichtige Punkte sind ein
aktives christliches Leben, also es ist keine private Religion, sondern
jeder Aspekt des Lebens wird als Teil des christlichen Lebens erfahren,
und der vierte und wahrscheinlich auch wichtigste Punkt, ist tatsächlich
die Bedeutung der Missionstätigkeit für Evangelikale.“

Jan an
Haack: „Der Evangelikalismus in der Ukraine hat eine sehr lange
Tradition. Das fängt ungefähr Ende des 19. Jahrhunderts an, mit
deutschen Siedlern in der Südukraine. Anfang 20. Jahrhundert, in den
zwanziger Jahren, beginnt dann eine Welle von Missionstätigkeit in die
Ukraine zu kommen, vor allem aus den USA, auch aus Deutschland, und das
sind dann auch häufig ukrainischstämmige Amerikaner, die dann zurück
gehen um da zu missionieren.“

Jan an Haack: „Es gibt natürlich
evangelikale Lobbygruppen die auf die US-Regierung hinwirken, und immer
mal wieder gab es Phasen wo gerade karitative Arbeit, die staatlich
organisiert wird, auch mit evangelikalen Kirchen gemeinsam unternommen
wurde.“

Jan an Haack: „ Und wenn man sich so genannte Mission
Agencies ansieht, die wie ein Unternehmen die Missionstätigkeit für
kleinere Kirchen organisieren, da geht man von einem
privatwirtschaftlich gemanagten Budget von 3,5 Milliarden US Dollar
jährlich aus.“

Jan an Haack: „Das ist eine Kirche oder eine
Bewegung, die sehr von der Globalisierung und der wirtschaftlichen
Entwicklung der letzten Zeit profitiert.“

Jan an Haack: „ Das zum
Beispiel die Embassy of God von Sunday Adelaya so erfolgreich in der
Ukraine ist, hat auch damit zu tun, dass die Ukraine ein Land ist, dass
relativ arm ist, aber wo man natürlich auch an wirtschaftlichem
Aufschwung interessiert ist und sich auch an einem kapitalistisch
organisiertem wirtschaftlichen Modell orientiert.“

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