Der breite Weg

Der breite Weg

Gehet
ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist
breit, der zur Verdammnis abführt; und ihrer sind viele, die darauf
wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben
führt; und wenige sind ihrer, die ihn finden. Matthäus 7,13.14

Auf
dem breiten Weg sind alle mit sich selbst beschäftigt; ihre Kleider und
Vergnügungen nehmen ihr Interesse in Anspruch. Sie sind ausgelassen und
übermütig und denken nicht an das Ende ihrer Lebensreise — an den sicheren
Untergang am Ende des Weges. Jeder Tag bringt sie ihrem Unglück näher; dennoch
tollen sie immer schneller und rasender dahin. O wie furchtbar war mir dieser
Anblick! 

Ich
sah viele Wanderer auf diesem breiten Weg, auf deren Kleidung geschrieben war:
„Tot für die Welt. Das Ende aller Dinge ist nahe. Seid auch ihr bereit.“ Sie
sahen genau so aus wie die andern eitlen Menschen in ihrer Umgebung mit
Ausnahme eines Anflugs von Trauer, den ich in ihren Gesichtern bemerkte. Ihre
Unterhaltung glich jener lustigen, gedankenlosen ihrer Umgebung. Ab und zu aber
zeigten sie mit Genugtuung auf die Schrift an ihrer Kleidung und forderten die
andern auf, ebenfalls solche Beschriftung zu tragen. Sie waren auf dem breiten
Weg, wenn sie auch vorgaben, zu denen zu gehören, die den schmalen Pfad gingen.
Die Menschen um sie herum antworteten: „Es gibt ja keinen Unterschied zwischen
uns. Wir sind alle gleich; wir kleiden uns, erzählen und handeln alle gleich.“ 
Mir
wurde die Anpassung einiger bekenntlicher Sabbathalter an die Welt gezeigt. Ich
sah die Schande, die sie ihrem Bekenntnis und der Sache Gottes machten. Sie
strafen ihr Bekenntnis Lügen. Sie glauben wohl, der Welt nicht gleich zu sein;
sie ähneln ihr aber in der Kleidung, in der Unterhaltung und in ihren Taten so
sehr, dass fast kein Unterschied festzustellen ist. Ich sah, wie sie ihre
armseligen, sterblichen Leiber, die jeden Augenblick von dem Finger des
Schöpfers angerührt und auf ein Leidenslager gelegt werden können, schmücken.
Dann aber, wenn sie ihr letztes Stündlein nahen fühlen, durchzittert sie
Todesangst und die bange Frage: „Bin ich bereit zum Sterben, vorbereitet, vor
Gott im Gericht zu erscheinen und die große Prüfung zu bestehen?“ Wenn ihr sie
dann fragt, was sie sich bei ihrem Kleiderluxus dachten, und sie haben noch ein
klein wenig Gefühl von dem, was es bedeutet, vorbereitet vor Gott zu
erscheinen, dann werden sie euch sagen: könnten wir noch einmal zurück und von
vorne anfangen, dann würden wir unser Leben besser gestalten. Sie würden die
Torheiten der Welt meiden, Eitelkeit und Hochmut ablegen, sich ehrbar schmücken
und ihrer Umgebung ein gutes Beispiel geben. Sie würden zur Ehre Gottes leben.

Warum
ist es denn so schwer, ein uneigennütziges, bescheidenes Leben zu führen? Weil
Scheinchristen der Welt nicht abgestorben sind. Wer in diesem Sinne gestorben
ist, lebt leicht. Aber viele sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Sie
wollen sich so viel wie möglich in Kleidung und Gewohnheit der Welt anpassen
und dennoch in den Himmel kommen. Sie wollen es auf andere Weise versuchen. Sie
gehen nicht durch die enge Pforte und auf dem schmalen Weg. Sie werden keine
Entschuldigung haben. Viele kleiden sich wie die Welt, um Einfluss zu gewinnen.
Sie begehen hier einen schweren und verhängnisvollen Fehler. Falls sie einen
wahrhaften, beglückenden Einfluss ausüben möchten, lasst sie ihr Bekenntnis
ausleben, lasst sie ihren Glauben durch rechtschaffene Werke beweisen und den
großen Unterschied zwischen einem Christen und der Welt bekunden. Mir wurde
gezeigt, dass Kleidung, Worte und Werke für Gott Zeugnis ablegen sollten. Dann
wird ein heiliger Einfluss alles erfüllen und davon Kenntnis geben, dass sie
mit Christus gelebt haben. Die Ungläubigen werden sehen, dass die Wahrheit, die
wir bekennen, einen heiligenden Einfluss besitzt, und dass der Glaube an die
Wiederkunft Christi den Charakter der Männer und Frauen bestimmt. Wer einen Einfluss
zum Besten der Wahrheit haben will, muss sie ausleben und Jesu demütigem
Vorbild nacheifern.
Ellen White in Ruf an die Jugend, S.79 f.; Messages to young people
p.126 f.

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